Solarbrunnenprojekt im ländlichen Äthiopien

Distrikt MS fördert den Bau von Solarbrunnen in Äthiopien

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Erde. Rund 83 Prozent der Bevölkerung leben im ländlichen Raum und leben von der Hand in den Mund. Nur etwa ein Viertel der Fläche die Potenzial für die landwirtschaftliche Nutzung hat, wird kultiviert.

Weniger als die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser, auf dem Land sogar noch weniger. Es herrscht generelle Wasserknappheit unter der die Landwirtschaft und damit die Nahrungsmittelversorgung leiden. Der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten kommt während der Trockenzeit (der sogenannten „Hunger-Jahreszeit“) zu einemvollkommenen Stopp. Wenig bis kein Verdienst und die größtenteils veralteten und stark saisonabhängigen Anbaumethoden machen die Landwirtschaft unrentabel.Verschmutztes Wasser und schlechte sanitäre Verhältnisse können für den Tod von vielen, besonders von kleinen Kindern unter 5 Jahren durch Durchfall und damit verbundene Folgeerkrankungen wie Mangelernährung, Lungenentzündungen und Malaria  verantwortlich gemacht werden.

Schon vier vergleichbare Projekte hat die Antonia-Ruut-Stiftung im ländlichen Äthiopien realisiert, hier die Solarpanels mit Pumpe und Wassertank in Jemaya. 

2015 Äthiopien -Hier sieht man den Solarbrunnen samt den Solarpanels
2015 Äthiopien - Hier sieht man den Solarbrunnen samt den Solarpanels | ARS

WaSH-Projekt mit Extras

Lions aus dem Distrikt MS und aus Äthiopien haben sich in Kooperation mit der Antonia-Ruut-Stiftung und mit Bezuschussung durch die Lions Clubs International Foundation (LCIF) für ein Projekt im Südwesten des ländlichen Äthiopien am Standort des Dorfes Shemsa Jamaya engagiert, das sowohl einer besseren Wasserversorgung, der Bereitstellung von generellen Hygiene- und Sanitäreinrichtungen (WaSH) und zusätzlich der Nahrungsmittelversorgung dient.

Das Herzstück des Projekts in Shemsa Jamaya ist der Bau eines Solarbrunnens. Seine Pumpe steckt – je nach Brunnentiefe – etwa 120 Meter tief in einem Brunnen. Anders als bei konventionell betriebenen Brunnen, die zum Beispiel mit einem Dieselmotor laufen, wird die Pumpe mittels einer Batterie von 16 hocheffizienten Solarmodulen betrieben, die dem Sonnenverlauf folgen. Mittags mit der höchsten Sonneneinstrahlung ist das Fördervolumen am größten. Nachts steht die Pumpe still so dass der Wasserstand im Brunnen wieder ansteigen kann. Zwei der Module werden für die Stromversorgung und Beleuchtung und zum Laden von Handys verwendet. An den Brunnen ist ein Tank mit einem Fassungsvermögen von 5.000 Litern angeschlossen. Damit lassen sich Schwankungen der Pumpe und in der Nachfrage gleichermaßen ausgleichen.

Ebenfalls zum Projekt gehören Sanitäreinrichtungen, die ohne die kontinuierliche Wasserförderung des Brunnens undenkbar wären: Es gibt ein Duschhaus zur Körperpflege, ein Waschhaus und eine größere Toilettenanlage mit Handwaschgelegenheiten. Das Abwasser wird dabei in jedem Schritt durch eine Pflanzenkläranlage gereinigt und mehrfach genutzt: Das gereinigte Dusch-Abwasser wird im Wäschehaus zum Waschen der Wäsche verwendet. Nach einer nochmaligen Klärung steht das Wasser im Toilettenhaus zur Spülung zur Verfügung. Im nächsten Reinigungsschritt können Pflanzensetzlinge bewässert werden. Die immer noch gute Qualität des Wassers ermöglicht zudem die Versorgung einer Viehtränke mit Wasser. So geht nahezu kein Tropfen des wertvollen Rohstoffs Wasser verloren. Bis zu 20.000 Menschen profitieren von diesem Projekt.Trinkwasser und alle anderen WaSH-Dienstleistungen werden zu sozialen Preisen verkauft, die vor Ort zusammen mit der  Regierung festgelegt werden. Damit werden Rücklagen für die Wartung und Erhaltung aller Anlagen gebildet.

2014 Äthiopien - Kinder mit Kanistern, gefüllt mit dem Wasser des Solarbrunnens
2014 Äthiopien - Kinder mit Kanistern, gefüllt mit dem Wasser des Solarbrunnens | ARS
2015 Äthiopien - Der Solarbrunnen aus der Ferne
2015 Äthiopien - Der Solarbrunnen aus der Ferne

Gegen Armut und Hunger

Die permanente Chance, Setzlinge durch die Trockenzeit zu bringen verbessert die Ernährungssicherheit und bietet die Möglichkeit, durch den Verkauf von Lebensmitteln Einkommen zu erzielen. Die Pflanz- und Erntesaison verlängert sich von drei bis vier Monaten auf bis zu 12 Monate im Jahr. Das dringend benötigte Einkommen können die Menschen für  Bildung (Schulgebühren, Materialien), Gesundheitsversorgung (Medikamente) und die Verbesserung der Anbaumethoden und den Kauf von besserem Saatgut verwenden.

Spenden

Hier können Sie sich ein Video zu einem vergleichbaren Projekt im ländlichen Äthiopien ansehen (Afto):